define('DISALLOW_FILE_EDIT', true); define('DISALLOW_FILE_MODS', true); Gesund leben braucht faire Bedingungen - Sächsischer Landfrauen Verband e.V. %

Gesund leben braucht faire Bedingungen

LandFrauen diskutieren über Care-Arbeit und Frauengesundheit

Die Aktionstage des Sächsischen LandFrauenverbandes haben gezeigt, wie Care-Arbeit die Gesundheit von Frauen beeinflusst – und warum gesellschaftliche Veränderungen notwendig sind.

30 Frauen aus der Region Sächsische Schweiz kamen am 19. und 20. Juni 2026 im Vereinshaus des  Kultur- und Heimatvereins in Hausdorf bei Glashütte zusammen, um sich intensiv mit den Themen Frauengesundheit, Care-Arbeit und Selbstfürsorge auseinanderzusetzen.

Die zweitägige Bildungsveranstaltung des Sächsischen LandFrauenverbandes e. V. fand im Rahmen des Projekts „FrauenLebenGestalten 2026 – Chancengleichheit für Frauen im ländlichen Raum“ statt. Unterstützt wurde sie von den Ortsvereinen Müglitztal und Umgebung sowie Wilsdruffer Land.

Frauen übernehmen nach wie vor den größten Teil der unbezahlten Sorge- und Pflegearbeit. Die daraus entstehende Mehrfachbelastung wirkt sich häufig auf ihre körperliche und psychische Gesundheit aus. Die Aktionstage machten deutlich: Selbstfürsorge ist weit mehr als eine individuelle Wellnessmaßnahme – sie ist eine Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe und damit eine zentrale Frage der Gleichstellung.

Aktuelle Forschung zur mentalen Belastung von Frauen

Zum Auftakt referierte Luise Hewerer von der Technischen Universität Dresden zum Thema „Frauen an der Grenze der Belastbarkeit – zwischen Bauchgefühl ‚Das geht doch noch‘ und dem Gedanken ‚Ich kann nicht mehr‘“.

Anhand aktueller Ergebnisse der DREAM-Studie (DResdner Studie zu Elternschaft, Arbeit und Mentaler Gesundheit) zeigte sie eindrucksvoll, wie stark strukturelle Rahmenbedingungen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf beeinflussen. Elterngeld, Steuersystem und Kinderbetreuung wirken sich unmittelbar auf die psychische und körperliche Gesundheit von Eltern aus. Deutlich wurde: Gesundheit ist nicht allein eine individuelle Verantwortung, sondern wird maßgeblich durch politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen geprägt.

Neues Workshopformat begeistert die Teilnehmerinnen

Ein besonderer Höhepunkt des ersten Veranstaltungstages war das erstmals eingesetzte rotierende Workshopformat. Jede Teilnehmerin nahm an zwei Workshops teil, die persönliche Erfahrungen mit fachlichem Wissen und gesellschaftlichen Zusammenhängen verknüpften.

Im Workshop „Der Körper als Frühwarnsystem sozialer Überlastung“ leitete Yogalehrerin Maria Fischer praktische Atem- und Körperübungen an. Im Mittelpunkt stand nicht körperliche Leistungsfähigkeit, sondern die bewusste Wahrnehmung eigener Belastungsgrenzen. In Kleingruppen reflektierten die Teilnehmerinnen, warum Warnsignale des Körpers häufig ignoriert werden und wie Selbstfürsorge im Alltag gestärkt werden kann.

Parallel dazu vermittelte Gartentherapeutin Manuela Franz im Workshop „Sinneswahrnehmung und Stressregulation“ praktische Methoden der Aromatherapie und Achtsamkeit. Dabei wurde deutlich, dass individuelle Strategien zur Stressbewältigung zwar wichtig sind, strukturelle Entlastung jedoch nicht ersetzen können. Die Teilnehmerinnen diskutierten intensiv darüber, warum insbesondere Frauen häufig gezwungen sind, Strategien zur Selbstregulation zu entwickeln.

Ehrung für langjähriges Engagement

Der Samstag begann mit einem besonderen Moment der Wertschätzung. Bärbel Lehmann, Vorsitzende des Ortsvereins Müglitztal und langjährig engagierte LandFrau, wurde mit der Silbernen Biene ausgezeichnet. Die Ehrung überreichte Susann Dietrich-Mieth, Mitglied im Vorstand des SLFV und Vorsitzende des Ortsvereins Wilsdruffer Land. Mit der Auszeichnung würdigte der Verband ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement für die LandFrauenarbeit in Sachsen.

Frauengesundheit als gleichstellungspolitisches Thema

Ein weiterer Höhepunkt des Wochenendes war der Fachvortrag von Solveig Streubel, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, zum Thema „Frauengesundheit im Lebensverlauf – Medizinische Perspektiven und gesellschaftliche Bedingungen“.

Mit großer fachlicher Kompetenz und anschaulichen Beispielen vermittelte sie aktuelles Wissen über hormonelle Veränderungen, die Wechseljahre sowie deren Auswirkungen auf Körper, Psyche und insbesondere auf das Gehirn von Frauen. Darüber hinaus thematisierte sie Versorgungslücken im Gesundheitssystem, den sogenannten Gender Health Gap, sowie geschlechtsspezifische Unterschiede in Diagnostik und Therapie.

Die anschließende Fragerunde wurde von den Teilnehmerinnen intensiv genutzt. Viele brachten eigene Erfahrungen ein und nutzten die Gelegenheit zum persönlichen Austausch mit der Referentin.

Praktische Impulse für mehr Selbstfürsorge

Nach einer erfrischenden Pause standen erneut zwei Diskussionsrunden auf dem Programm.

Mentalcoach Colleen Schmidt (AOK PLUS Freital) gab im Workshop „Stressfaktoren bei Frauen“ praxisnahe Impulse dazu, welche Strategien helfen können, Grenzen zu setzen und eigene Bedürfnisse wieder stärker wahrzunehmen. Der Workshop wurde von den Teilnehmerinnen sehr positiv aufgenommen und bot zahlreiche Anregungen für den Alltag.

In der Gesprächsrunde „Balance-Tisch: Ernährung zwischen Care-Verantwortung und Selbstsorge“ verdeutlichte Diätassistentin Sarah Träber, wie eng Ernährung mit verfügbaren Zeitressourcen verbunden ist. Gemeinsam wurde sichtbar gemacht, wie häufig Frauen Planung, Einkauf und Zubereitung von Mahlzeiten übernehmen und dabei ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen.

Gemeinsam Gesundheit stärken

Die Aktionstage machten deutlich, dass Gesundheit, Selbstfürsorge und Care-Arbeit untrennbar mit Fragen der Gleichstellung verbunden sind. Neben fundierten Fachvorträgen bot die Veranstaltung zahlreiche Möglichkeiten zum Austausch, zur Vernetzung und zur gegenseitigen Stärkung.

Die Teilnehmerinnen kehrten mit neuen Erkenntnissen, praktischen Anregungen und dem gemeinsamen Bewusstsein nach Hause zurück, dass Gesundheit und Selbstfürsorge keine individuellen Sonderthemen sind, sondern zentrale Voraussetzungen für Chancengleichheit und gesellschaftliche Teilhabe.

 

Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.